aktuelles vom 02.02.2010

HUNDEFÜHRSCHEIN Neu!!! vom 02.02.2010

HUNDEFÜHRSCHEIN - AKTUELL!

Ab Juli ist es in Wien soweit: Alle „Kampfhunde“ – Besitzer und Führer (!!!) müssen mit ihrem Hund eine Prüfung ablegen. Die Frage ob diese Maßnahme sinnvoll ist, stellt sich für sie nicht mehr.
Im Jahr 2006 wurde der Wiener Hundeführschein ins Leben gerufen. Auf freiwilliger Basis können seitdem Hund-Mensch Teams beweisen, dass sie im Alltag gut zurechtkommen. Die Grundidee war, von den verstaubten Gehorsamsübungen hin zu moderner Hundeerziehung zu gelangen. Anders als bei Begleithundeprüfungen, wo gewisse Abfolgen von eingelernten Übungen am Hundeplatz abgespult werden, wird das Zusammenspielen von Hund und Besitzer in „freier Wildbahn“ überprüft. Es geht darum, sich mit dem Hund in städtischer Umgebung so bewegen zu können, dass der Hund damit gut zurecht kommt und Passanten nicht belästigt werden. Stressanzeichen des Hundes sollten rechtzeitig erkannt und darauf der Situation entsprechend reagiert werden. Das bedeutet z.B., dass man als Hundeführer mit einem unsicheren Hund entsprechend Angst auslösenden Reizen ausweichen kann oder, dass einem Hund aus zweiter Hand mit unbekannter Vorgeschichte Geduld und viel Rücksicht entgegengebracht wird. Eine tolle Sache, weil den Hundebesitzern die wirklich wichtigen Aspekte der Hundehaltung nahe gebracht wurden. Nicht blinder Gehorsam ist gefordert, sondern einfühlsamer Umgang mit dem Hund. Denn ein Hund, der sich verstanden fühlt und der selbstbewusst durchs Leben geht, stellt für niemanden eine Gefahr dar. Ein Hund dagegen, der ständig unter Kontrolle gehalten wird, keine eigenen Entscheidungen treffen darf und der mit brutalen Mitteln erzogen wird, hält dem Druck irgendwann nicht mehr stand. Was dann leider passiert, geht durch die Medien. Diesen Hunden wurde oft das Drohverhalten aberzogen, was fatalerweise bedeutet, dass der Hund gleich zubeißt.
Soweit die positiven Seiten des Hundeführscheins. Ein großer Kritikpunkt beim verpflichtenden Hundeführschein ist die Diskriminierung bestimmter Hunderassen. Wir sind der Meinung wenn schon eine Prüfung vorgeschrieben wird, dann für alle! Auch die Aussagekraft der Prüfung selbst ist zu hinterfragen. Eine Prüfung ist immer nur eine Momentaufnahme. Der Prüfer muss sich wirklich Zeit nehmen, um einschätzen zu können, wie sich das jeweilige Team in schwierigen Situationen bewährt. Weiters bedarf es einer guten Ausbildung der Hundebesitzer, eine Prüfung allein genügt nicht. Das ist aber in vielen Fällen auch ein finanzielles Problem. Qualität kostet Geld, auch in Sachen Hundeerziehung.
Leider werden auch die Stimmen lauter, die fordern, den Hundeführschein mehr in Richtung Gehorsamsausbildung aufzuweichen. Das heißt Leinenruck und Würgehalsband würden Einzug halten. Das würde einem Zurückversetzen ins Hundeausbildungs-Mittelalter gleichkommen!
Natürlich ganz zu schweigen von den Einzelschicksalen, die ein solches Gesetz mit sich bringt. Was passiert mit Hunden, deren Besitzer die Prüfung nicht schaffen? Wie sollen Betroffene mit den Anfeindungen umgehen? Was passiert, wenn ein geprüfter und damit ungefährlicher(?!) Hund doch einmal zubeißt?
Leider wurde diese Entscheidung aus politischer Motivation heraus getroffen, sachliche Argumente zählen nicht. Die Bevölkerung wünscht sich mehr Sicherheit. Dass diese Sicherheit allein mit einer Prüfung nicht gewährleistet ist, solange keine adäquate Ausbildung zugrunde liegt, liegt auf der Hand. Solange den Menschen nicht bewusst wird, dass jeder Hund, dessen Bedürfnisse lange Zeit ignoriert werden, in bestimmten Situationen zubeißen kann, solange wird es diese schrecklichen Unfälle geben!

EINIGE INFORMATIONEN ZUR PRÜFUNG:

Die Prüfung gliedert sich in einen theoretischen Teil – ein Multiple Choice Test (die theoretische Prüfung umfasst 150 mögliche Fragen. Aus diesen werden mindestens 30 gestellt. Davon müssen 24 richtig beantwortet werden und einen praktischen Teil.

Der praktische Teil wiederum besteht aus drei Modulen:

MODUL I: Feststellung des „Handlings“ in ablenkungsarmer Umgebung (Maulkorb anlegen, Zahn- Ohr-, Pfotenkontrolle durch den/die HundehalterIn etc.)

MODUL II: Feststellung des Ausbildungsstandes in ablenkungsarmer Umgebung (Gehen an lockerer Leine, Sitz, Platz, Kommen auf Ruf etc.)

MODUL III: Praktischer Teil an öffentlichen Orten: Bewältigung von Alltagssituationen in der Stadt unter besonderer Berücksichtigung des Ausbildungsstandes des Hundes, des Verhaltens in der Öffentlichkeit, der gesetzlichen Vorschriften und tierschutzrelevanter Aspekte (z.B. Begegnungen mit anderen Hunden, Joggern, Radfahrern, Kindern, Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln etc.).

Generell gilt: Der Hund soll an lockerer Leine gehen können und einige Hör- und/oder Sichtzeichen wie Sitz, Platz oder Bleib verstehen. Kommunikation steht im Vordergrund und nicht bedingungsloser Gehorsam.
Futterbelohnungen dürfen selbstverständlich verwendet werden, Würgeketten hingegen nicht. Den Hund an der Leine zu rucken oder zu ziehen ist verboten, ebenso andere Strafmaßnahmen wie Schmerz- und Schreckreize. Die HundehalterInnen sollen die Gesetze kennen und sich daran halten, vor allem sollen sie wissen, wo Leinen- und/oder Maulkorbpflicht herrscht.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch einzelne Teile der jetzigen Prüfungsrichtlinie bis zum Sommer 2010 überarbeitet werden.

SOLLTEN SIE INTERESSE DARAN HABEN, DIE PRÜFUNG ZUM HUNDEFÜHRSCHEIN ABZULEGEN, IST DIES NACH TERMINVEREINBARUNG JEDERZEIT HIER IN DER PRAXIS MÖGLICH!

Derzeitige Voraussetzungen für den verpflichtenden Hundeführschein (übernommen von www.wien.gv.at)

Der Hundeführschein ist innerhalb von drei Monaten ab Beginn der Haltung zu absolvieren.
Das Mindestalter des Hundes muss zum Zeitpunkt der Prüfung sechs Monate betragen.
Das Mindestalter der Hundehalterinnen und Hundehalter für die Prüfung muss 16 Jahre betragen.
Die Hundehalterinnen und Hundehalter dürfen keine einschlägigen Vorstrafen haben.
Hundehalterinnen und Hundehalter, die bereits jetzt einen "Kampfhund" besitzen, müssen den Hundeführschein innerhalb eines Jahres ab Inkrafttreten des neuen Gesetzes absolvieren.

Liste der betroffenen Hunderassen
Die vorliegende Liste der betroffenen Hunde ist jederzeit erweiterbar.
Derzeit betrifft es:

Bullterrier
Staffordshire Bullterrier
American Staffordshire Terrier
Mastino Napoletano
Mastin Espanol
Fila Brasileiro
Mastiff, Bullmastiff
Tosa Inu
Pitbullterrier
Rottweiler
Dogo Argentino (Argentinischer Mastiff)

 Der Führschein gilt auch für deren Mischlinge.

Die Liste wurde von Expertinnen und Experten ausgearbeitet. Zum einen wurden die große Bisskraft dieser Hunde und die Bisshäufigkeit herangezogen. Zum anderen sind dies unter anderem auch jene Hunde, über die es bei der Tierschutzombudsstelle Wien häufig Beschwerden gibt und die nach Unfällen verstärkt als auffällige und aggressive Hunde in den Tierheimen landen.
Diese Hunde machen insgesamt knapp fünf Prozent aller in Wien gehaltenen Hunde aus. Sie sind allerdings für fast 25 Prozent aller Hundebisse verantwortlich. Zusätzlich führen Bisse dieser Hunde meist zu vergleichsweise schwerwiegenden Verletzungen.
Unterlagen (Zur Prüfung sind mitzubringen):
Haftpflichtversicherungspolizze
Anmeldebestätigung
Chipp-Nummer des Hundes (alle Hunde in Österreich müssen seit 1. Jänner 2010 gechippt sein)
Mögliche Strafen ohne Hundeführschein

Die Pläne zum verpflichtenden Hundeführschein enthalten auch verbesserte Möglichkeiten der Polizei zum Einschreiten und verschärfte Strafbestimmungen.
Wird eine Hundehalterin oder ein Hundehalter nach Inkrafttreten der neuen Reglung mit einem Kampfhund ohne Hundeführschein aufgegriffen, kann eine Verwaltungsstrafe ausgesprochen werden. Die Hundehalterinnen und Hundehalter können aufgefordert werden, den Hundeführschein binnen drei Monaten nachzubringen. Die Prüfung zum Hundeführschein wird im Auftrag des Veterinäramts der Stadt Wien (MA 60) durch die Tierschutzombudsstelle von speziell ausgebildeten Prüferinnen und Prüfern abgehalten.
Im Gegensatz zum freiwilligen Hundeführschein erfolgt keine Befreiung von der Hundeabgabe.
Bei Hundehalterinnen und Hundehalter ohne Hundeführschein in Gefahrensituationen kann der Hund auf Veranlassung der Polizei - neben der Verhängung von sehr hohen Verwaltungsstrafen - sofort und dauerhaft abgenommen werden

« Zurück zur Übersicht